You Disturb My Sleep 26 & 28 Juli @21:00 – Kasino am Schwarzenbergplatz – Impulstanz Festival

An der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe setzt sich Elisabeth Bakambamba Tambwe gemeinsam mit ihren Studierenden erneut mit der Performancekunst der 1960er- und 1970er-Jahre auseinander – nicht, um sie zu bewahren, sondern um zu erproben, was heute von ihr geblieben ist. Die in Wien lebende Choreografin, geboren in der Demokratischen Republik Kongo und bekannt für SelFist, Beyond the Overflow, Speech of Love: Absence und Jeanne Dark, versteht diese Forschung als „Prozesstheater“: einen Raum, in dem Zeit zum Material wird und Performance weniger ein fertiges Objekt als vielmehr ein Feld der Transformation ist.
Die Frage lautet nicht, ob sich diese Werke wiederholen lassen, sondern was ihre Gesten heute noch sichtbar machen. Zwischen White Cube und Black Box erkundet You Disturb My Sleep die Distanz zwischen Damals und Heute, ohne Geschichte zu rekonstruieren. Jede Geste entfaltet sich aus ihrer eigenen Logik und steht zugleich in Beziehung zu den anderen: Materialien lagern sich an, Körper verwandeln sich, Stimmen durchqueren den Raum, Handlungen reichen über die Grenzen des Sichtbaren hinaus. Gemeinsam bilden sie eine Landschaft aus Spuren, Wiederholungen und Verwandlungen, die neue Perspektiven auf Performance und Präsenz eröffnet.
Die Bezüge zu Tehching Hsieh, Dan Graham, VALIE EXPORT, Bruce Nauman, Chris Burden und Vito Acconci werden nicht als Kanon präsentiert, den es zu bewundern gilt, sondern dienen als Ausgangspunkte für die Frage, was fortbesteht und was sich verändert. Die Performance untersucht die Beständigkeit künstlerischer Formen unter veränderten Bedingungen: Was vermag eine Geste noch zu bewirken, wenn ihr ursprünglicher Kontext verschwunden ist?

CREDIT:
Künstlerische Leitung: Elisabeth Bakambamba Tambwe
Entwicklung, Szenografie, Kostüme und Performance: Emma Tietze, Ferry Kummich, Hanna Braun, Lana Koeters, Nicolas Patzer, Sebastian Hesse, Soheil Honarmand
Projektassistenz: Emma Tietze
Research: Yüksel Isabel Songurtekin, erle Blume
Outside Eye: Ulrike Haß

Musik: Ursula Winterauer
Lichtdesign: Peter Kutin
Recherche und Text Unterstützung: Benoît Jouan
Video-Montage und Dokumentation: David Pujadas Bosch
Produktion Management: Indra Jäger

Produktion: Dig Up Productions
Koproduktion: Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe / ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival

 

titelpic: Hanna Braun :Valie Export (c) Eugenia Maximova/Dig Up Productions

BIOS

Elisabeth Bakambamba Tambwe
Elisabeth Bakambamba Tambwe wurde in Kinshasa (DR Kongo) geboren, wuchs in Frankreich auf und absolvierte ein Kunststudium. 1998 erwarb sie an der Kunsthochschule in Tourcoing, Frankreich, das Diplom “National d’Expression Plastique” für ihre Arbeit im Bereich Bildhauerei.
Als Künstlerin, Choreografin und Regisseurin arbeitet sie mit verschiedenen Formen des Schreibens: Performance, Choreografie, Film, interaktiv und generativ, sowie mit verschiedenen Dramaturgien und Räumen wie Installationen und Bühnen. Sie interessiert sich für die Entstehung neuer Formen der Andersartigkeit und die einzigartigen Beziehungen und Sprachen, die daraus entstehen. Was sagen sie über unsere Menschlichkeit aus und inwiefern stellen sie den Anthropozentrismus infrage? Ihre Projekte sind transdisziplinär und kollektiv und zielen darauf ab, gemeinsame Forschungsräume zwischen Performancekunst und Sozialwissenschaften zu schaffen.
Tambwes choreografische und performative Arbeiten untersuchen die Vielfalt der Perspektiven, die die Realität prägen. Ihre szenografischen Mittel untergraben die konventionelle Wahrnehmung und fragmentieren Körper, Räume und Erzählungen. Durch ihre Performances deckt sie Mehrdeutigkeiten innerhalb sozialer, politischer und ästhetischer Konventionen auf und inszeniert die Widersprüche und inkohärenten Positionen, die die zeitgenössische Subjektivität prägen. Ihre Arbeit greift häufig auf philosophische und literarische Quellen zurück, insbesondere auf die Schriften von Roland Barthes und setzt sich dabei mit Fragmentierung, Wahrnehmung und der Instabilität von Bedeutung auseinander.

Emma Tietze
Emma Tietze (*2000, Aachen) ist bildende Künstlerin. Sie lebt und arbeitet in Karlsruhe, Deutschland. An den Schnittstellen von Video, Performance, Text befragt sie die direkt körperlichen Bezüge zwischen Individuum und Gruppe und ob eine solche Trennung überhaupt haltbar ist.

Ferry Kummich
Ferry Kummich, geboren 2003 an Heiligabend in Hoyerswerda, Deutschland, ist ein:e interdisziplinäre:r Bildhauer:in, der:die derzeit an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe in der Klasse von Jeremy Shaw studiert.

Hanna Braun
Hanna Braun (*2000, Filderstadt) lebt in Karlsruhe und studiert freie Kunst an der staatlichen Akademie der bildenden Künste. Ihre Arbeit setzt sich mit Wandel und Traumbildern auseinander. Spuren, sowohl im Innen- als auch in der Gesellschaft wecken in ihr den Wunsch, sie festzuhalten. Zentral ist dabei der Versuch, Verbindungen zwischen tiefen Einschreibungen und der Flüchtigkeit des Moments herzustellen.

Lana Koeters
Lana Koeters (*1998, Pforzheim) studiert Bildende Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Tamina Amadyar, Markus Schinwald, Ulla von Brandenburg und Daniel Roth. In ihrem Studium setzt sie sich mit verschiedenen Medien auseinander, die einen performativen Bezug aufweisen. Spuren, Abdrücke und innere Prozesse des menschlichen Körpers spielen dabei eine zentrale Rolle.

Nicolas Patzer
Ein Typ, der sich Kunstwerke in Galerien anschaut, an Spielautomaten spielt und Zeit in Cafés verbringt.

Sebastian Hesse
Sebastian Hesse (*1998, Rinteln) studiert an der Kunstakademie in Karlsruhe. Über die letzten Jahre hat er sich auf Keramik spezialisiert. Die Natur und ihre verschiedenen Strukturen, die sich darin finden lassen, bilden oftmals den Ausgangspunkt. Von klein bis groß, über Zapfen, Knospen, Käfer, bis hin zu Wolken, Bergen und Landschaften. Technisch ist er multimedial unterwegs und schwimmt zwischen Drucktechniken, Malerei, Zeichnung, Aufbau-/ Plattentechnik, Drehen und Glasieren hin und her. Dementsprechend entstehen detaillierte Zeichnungen, bunte Bilder und installative Objekte und Skulpturen.

Soheil Honarmand
Soheil ist ein:e multidisziplinäre:r Künstler:in, der:die medienübergreifend arbeitet, geleitet von der Überzeugung, dass jede Idee ihre eigene Form findet. Geprägt von Erfahrungen wie Verdrängung und Verlust, trägt die Arbeit Spuren von Bewegung, Bruch und Erinnerung in sich.
Die Praxis entfaltet sich aus einer zutiefst persönlichen Perspektive und sucht zugleich bewusst nach Reibung und Herausforderung. Im Spannungsfeld zwischen dem Politischen und dem Intimen provoziert sie ebenso, wie sie reflektiert, und konfrontiert die Fragilität wie auch die Widerstandskraft der menschlichen Existenz – stets verortet in individuellen wie kollektiven Realitäten.

David Pujadas Bosch (video- assistent and documentation / Video- Assistenz und Dokumentation)
David Pujadas Bosch (er/ihm), geboren in Barcelona, lebt seit 2000 in Wien. Nach einem Wirtschaftsstudium an der Universität Barcelona und seiner Tätigkeit bei IBM Österreich studierte er an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Monica Bonvicini, Harun Farocki, Thomas Heise und Emily Wardill.
Seine Arbeit konzentriert sich auf Video und Film und umfasst zudem Theater, Fotografie, Animation, Zeichnung, Performance und Soundinstallation. Er arbeitet interdisziplinär im Kunst- und Kulturbereich und kollaboriert mit zahlreichen Künstler:innen.
Neben seiner Tätigkeit in Kamera und Schnitt wirkte er auch in verschiedenen Bereichen der Filmproduktion mit. Darüber hinaus dokumentiert er Performances, Ausstellungen und Symposien und realisiert Kurzfilme, Musikvideos sowie Video-Installationen, u. a. für das Vitra Design Museum, das 21er Haus und die Österreichische UNESCO-Kommission.

Ursula Winterauer (music /Musik)
Ursula Winterauer, alias Gischt, lebt und arbeitet in Wien als Komponistin, Produzentin elektronischer Musik und Kuratorin. Ihre eklektischen Klanglandschaften bieten vielschichtige Interpretationen von Industrial, Techno und Ambient, geprägt durch Bassgitarre, Synthesizer und dichte elektrosmogartige Texturen.
Ihre Arbeit setzt sich mit rohen, brutalen Klangqualitäten im Zustand digitaler Überdetermination auseinander, die häufig in Kontrast zur Klarheit ihrer eigenen Stimme stehen. Sie ist Bassistin der Doom-Metal-Band Eaeres sowie Teil des Duos The Answer is No gemeinsam mit Maja Osojnik.
Winterauer entwickelt Werke für Ensembles, arbeitet als Sounddesignerin und Filmkomponistin und schafft Kompositionen für zeitgenössischen Tanz. Sie ist Mitbegründerin und Labelleiterin von Ventil Records, Mitorganisatorin und kaufmännische Leiterin des Unsafe+Sounds Festivals und war 2024 Kuratorin von New Salt – Festival for Sonic Exploration & Digital Art.

Peter Kutin (lights /Licht)
Peter Kutin arbeitet an verschiedenen Schnittstellen mit Klang und dessen kompositorischen Möglichkeiten. Seine un-disziplinierten Arbeiten zeichnen sich durch die Verbindung von Musik mit Bild, Skulptur, Licht, kinetischer Kunst oder Video aus.
Diese intensive Auseinandersetzung mit der Wechselwirkung und gegenseitigen Abhängigkeit von Klang und visuellen Reizen hat sein künstlerisches Feld weit über die Musik hinaus erweitert und zu einem Œuvre aus experimentellen Filmen, multimedialen Szenarien, kinetischen Skulpturen und Bühnenperformances geführt. Für 2026 ist die Fertigstellung seines ersten Spielfilms Sound of Musick [sic!] vorgesehen.
Kutin erhielt zahlreiche Auszeichnungen, Stipendien und Residenzen. 2019 wurde seine kinetische Klangskulptur Torso#1 mit dem Prix Ars Electronica ausgezeichnet. 2016 erhielt er gemeinsam mit der Komponistin Christina Kubisch und seinem langjährigen Kollaborateur Florian Kindlinger den renommierten Karl-Sczuka-Preis des SWR für die Komposition Desert Bloom.
Derzeit lebt und arbeitet er in Brüssel als Artist in Residence am WIELS Zentrum für zeitgenössische Kunst.

Benoît Jouan Research and text support
Benoît Jouan (*1972) ist Autor und Illustrator. Er studierte Bildende Kunst und besitzt sowohl einen Universitätsabschluss (Master in visuellen und bildnerischen Künsten / Universität Lille III, Frankreich) als auch einen Kunsthochschulabschluss (DNSEP – Nationales Höheres Diplom für plastischen Ausdruck sowie DNAP – Nationales Diplom der Bildenden Künste der Kunstschule Tourcoing, Frankreich).
Zwanzig Jahre lang (1999–2019) arbeitete er am Museum für moderne, zeitgenössische und Outsider-Kunst Lille Métropole (LaM) in Villeneuve-d’Ascq (Frankreich) als Dozent und Leiter von Kunstworkshops (spezialisiert auf Druckgrafik) in geschlossenen Einrichtungen wie psychiatrischen Kliniken und Gefängnissen.
Seit 1998 arbeitet er mit Elisabeth Bakambamba Tambwe zusammen. Im März 2022 zog er nach Wien, wo er heute lebt und arbeitet.

Indra Jäger (production / Produktion)
Indra Jäger, geboren in Frankfurt am Main, lebt seit 2000 in Wien. Nach ihrem Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaft gründete und leitete sie den Kunst- und Kulturverein IM ERSTEN, für den sie zahlreiche spartenübergreifende Projekte initiierte und kuratierte.
Seit 2022 arbeitet sie als Produzentin mit Elisabeth Tambwe zusammen und begleitet in diesem Kontext das diskursive Performanceformat Salon Souterrain sowie die Produktionen Speech of Love: Absence, Beyond The Overflow und SelFist.
Ihre Arbeit beschäftigt sich mit der Erforschung und Gestaltung von Kommunikationsräumen, egalitären Strukturen und partizipatorischen Formaten. Dieses Interesse prägt auch ihre Mitarbeit an Forschungsprojekten sowie ihre Tätigkeit für die österreichische Plattform relevant.news im Bereich des lösungsorientierten Journalismus.

Hanna Braun _Valie Export (c) Eugenia Maximova _Dig Up Productions

Mit Unterstützung von:

Details zur Veranstaltung:

You Disturb My Sleep

26. Juli 2026 um 21:00 Uhr
28. Juli 2026 um 22:30 Uhr

Ort:
IMPULSTANZ FESTIVAL
Kasino am Schwarzenbergplatz
Schwarzenbergplatz 1,
1010 Wien